Michel Petrucciani 1962 - 1999

Mit vier sah der kleine Michel Duke Ellington im Fernsehen. "So ein Instrument möchte ich auch, bat er seinen Vater, der ihm umgehend ein Spielzeugklavier kaufte. Der Sohn zertrümmerte das Gerät und sagte: "So, nun möchte ich ein richtiges Piano!"
Michel Petrucciani wusste schon früh, was er will! Mit Durchsetzungsvermögen, Talent und Ehrgeiz eroberte sich der Musiker französisch-sizilianischer Abstammung als Jazzpianist einen Platz an der Weltspitze.

Der Schwerbehinderte, kaum einen Meter grosse und nur knapp 30 Kilo schwere Mann verblüffte durch seine Gewandtheit und überzeugte durch seine unglaubliche Souveränität, die ihn zum Herrn über 88 Tasten machte, obwohl die Spannweite seiner beiden Arme kaum die ganze Klaviatur umfasste.

 

 

Petrucciani nahm es mit Humor:  "Für die Zuschauer sieht es sicher befremdlich aus, einen so kleinen Typen wie mich am Klavier zu sehen.Aber ich glaube,meine Musik überstrahlt mein Aussehen. Die Musik ist es, die zählt."  

In der internationalen Jazz-Szene war der von Freunden "Petruche" genannte Petrucciani bereits mit jungen Jahren ein Begriff. Schon früh arbeitete er in den USA und in Frankreich mit Legenden wie Dizzy Gillespie, Stephan Grappelli und Charlie Haden. Mehrere seiner über 30 Platten entwickelten sich zu Bestsellern. Auch in der Schweiz war der berühmte Musiker regelmässiger Gast der renommierten Jazz-Festivals in Montreux oder Willisau. 

Freunde und Bekannte beschrieben Petrucciani als überaus fröhlichen und gelassenen Menschen. Der Pianist litt seit seiner Geburt 1962 an der wachstums-hemmenden Glasknochenkrankheit und musste getragen werden.  

Er verfügte zwar über voll ausgebildete Hände und Arme, allerdings erreichte die Spannweite seiner Arme nicht ganz die Länge der Klaviatur.

Durchbruch auch in den USA

Petrucciani entstammte einer Musikerfamilie. Er sass als Neunjähriger in der Familienband zunächst am Schlagzeug und genoss dann eine klassische Klavierausbildung. Mit sechzehn Jahren veröffentlichte er sein erstes Album "Flash". Vier Jahre später ging er in die USA, wo er von Charles Lloyd und Bill Evans beeinflusst wurde. "Petruche" gehörte zu den wenigen Europäern, die sich in der amerikanischen Jazz-Szene durchsetzen konnten.

Blue Note Vertrag

Als ersten Franzosen nahm ihn der Musikverlag EMI für sein renommiertes New Yorker Label Blue Note unter Vertrag. Von einigen seiner Platten verkaufte er mehr als 100'000 Stück. Experten lobten die lyrische Sensibilität und die harmonische Erfindungskraft seines Klavierspiels. Der klassisch ausgebildete Pianist sagte von sich selbst, dass er die Töne als Farben sehe und das Spielen für ihn in gewisser Weise wie das Malen eines Bildes sei.

Betroffenheit in der ganzen Welt

Am 6. Januar 1999 starb Petrucciani an Folgen einer Lungenentzündung in einem New Yorker Spital. Die Welt reagierte betroffen auf den frühen Tod des beliebten Pianisten: Der französische Präsident Jacques Chirac würdigte Petrucciani als "musikalisches Genie, welches die Sprache des Jazz erneuert hat. "Montreux-Direktor Claude Nobs sagte, er kenne "keine anderen Musiker, die soviel Kraft und Emotionen in ihr Spiel gelegt haben."

 

 



Original Autogramm mit Widmung an mich

 

  Petrucciani Photos

  Videoportrait

  Discographie

 

Info: Als Hintergrundmusik hörst Du das Stück "Beautiful but why?" welches ich als MIDI-Datei eingespielt habe.